„Und eh‘ die Hausfrau es gedacht…“? Kleine Helfer im Haushalt

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein“, trällerte einst Johanna von Koczian. Wie recht sie doch hat. Schließlich haben einfallsreiche Erfinder die Hausfrauen doch mit so bahnbrechenden Erfindungen wie der „Schälhexe“ und dem „Eierschalensollbruchstellenverursacher Clack“ beglückt. Da kann das bisschen Haushalt doch wirklich nicht so schlimm sein, oder?

sollbruchstellenWelche kleinen Helfer sich während der letzten 150 Jahre in den Haushalten breit gemacht haben und ob sie die Hausarbeit wirklich so einfach gemacht haben, damit beschäftigte sich die Wanderausstellung „Und eh‘ die Hausfrau es gedacht…? – Kleine Helfer im Haushalt“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Rund 300 Exponate regten dazu an, einmal über den Sinn der vielen Geräte und Wunderhelfer nachzudenken. „Angeblich machen die Maschinen die Hausarbeit schneller und leichter. Doch die Geräte müssen auf- und abgebaut, gereinigt und gepflegt werden“, analysiert LWL-Ausstellungsmacher Jürgen Birk. „Außerdem wecken sie zusätzliche Ansprüche, so wird heute beispielsweise viel häufiger gewaschen und gebügelt. Die Hausarbeit ist mittlerweile zwar körperlich weniger anstrengend, mit 40 bis 70 Stunden in der Woche beansprucht sie die Frauen, die selbst in Industriestaaten noch bis zu 90 Prozent der Hausarbeit erledigen, aber immer noch enorm.“ Doch da die Hausarbeit dank der kleinen Helfer angeblich leichter und schneller von der Hand gehe, werden sie immer weniger als „richtige“ Arbeit anerkannt, so Birk weiter.

puppenkueche

Diese Puppenküche aus der Zeit um 1880 war das älteste Ausstellungsstück und zeigte, wie eine Küche vor der Zeit der kleinen Helfer aussah.

Die Namen der Geräte suggerieren aber etwas ganz anderes: Mit dem Teppichkehrer „Pony“ kann man scheinbar über den Teppich galoppieren, wenn man ihn reinigen will; hat man den richtigen Messerschärfer zur Hand, ist es „Pipifax“, stumpfe Klingen wieder scharf zu bekommen. Mit der magischen Hilfe der „Schälhexe“ oder des legendären „Zauberstabes“ schälen und zerkleinern sich Kartoffeln oder Äpfel fast von selbst. Die „Flotte Lotte“ – das Passiergerät ist nach Charlotte Giebel von den Columbi-Werken, dem ursprünglichen Hersteller, benannt – verspricht mit ihrem Namen mehr Tempo und damit indirekt weniger Mühe in der Küche. Und dann gibt es noch das Einkochgerät „Biene“, mit dem die Hausfrau ebenso fleißig Vorräte anlegen kann wie mit der Dosenverschlussmaschiene „Hamster“. Miele tönte: „Wenn Vati waschen müsste … dann kaufte er schon morgen eine Miele-Waschmaschine“ und AEG behauptete in einer Staubsaugerwerbung: „Dame – und doch Hausfrau“.

haushaltMit vielen mehr oder weniger nützlichen Geräten zeigt die Ausstellung den Weg in die Mechanisierung der Hausarbeit. Wenn möglich zeigt die Ausstellung die ursprüngliche Handarbeit, mechanisierte Geräte und erste Elektrogeräte – wie zum Beispiel eine sehr seltene Küchenmaschine aus der 1930er Jahren – nebeneinander. „Wir wollten, dass die Besucher darüber nachdenken, ob die Entwicklung immer sinnvoll war“, erklärte LWL-Ausstellungsmacher Jürgen Birk.

Doch es geht nicht nur um kleine Helfer aus Stahl und Plastik wie Mixer und Staubsauger mit Handbetrieb: Die Ausstellung schlug den Bogen von sagenhaften Helfern wie Kobolden und Heinzelmännchen über die Entwicklung in der Küche, die sie an Puppenküchen illustriert, bis hin zum frühen Dienstbotenwesen. Und dazwischen blieb noch Platz für etliche Wunderhelfer, die mit ihren bisweilen kuriosen Funktionen oft von Wanderhändlern vertrieben werden.

Fotos: LWL

24. März bis 20. Mai 2002

Video: Johanna von Koczian in der ZDF-Hitparade: „Das bisschen Haushalt … sagt mein Mann“