100 Jahre Käthe-Kruse-Puppe: Käthe Kruse und die Berliner Sezession

2005 wurde die berühmteste deutsche Puppe hundert Jahre alt. Es war kurz vor Weihnachten 1905, als Käthe Kruse mit ihrer ältesten Tochter Marie und der zweiten Tochter Sophie, die damals noch ein Säugling war, in der Künstlerkolonie auf dem Monte Verita in der Schweiz lebte. Marie wollte „auch ein Kind, wie die Mama und die Mutter Maria“ haben.

Der Wunsch nach einer Puppe wurde dem Vater der Kinder, dem Bildhauer und Berliner Sezessionisten Max Kruse mitgeteilt. Der fand die damaligen kommerziell hergestellten Puppen zu wenig kindgerecht und forderte seine Frau auf: „Macht euch doch selber welche!“ Der Rest ist Puppengeschichte.

Zunächst aus einem Handtuch und warmem Sand hergestellt, wandelte sich die Puppe mehr und mehr und zeugte von dem – damals als avantgardistisch empfundenen – Reformgedanken, der das Kinderspielzeug Puppe revolutionieren sollte. 1909 stellte Käthe Kruse ihre „Puppen aus eigener Hand“ in einer Ausstellung des Kaufhauses Tietz in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vor.

Doch die berühmte Käthe Kruse-Puppe ist nicht allein Käthe Kruse selbst zuzuschreiben: Vorlage der berühmten Puppe I war ein Kopf des Renaissance-Künstlers François Duquesnoy, genannt „Il Fiamingo“. Andere Köpfe von Käthe Kruse-Puppen schuf Igor von Jakimow, ein Schwiegersohn Max Kruses. Auch Arthur Lewin-Funcke, in dessen Atelier Max Kruse jahrelang Leiter der Bildhauerklasse war, sowie Ehemann Max Kruse selbst, trugen – wenigstens ideell – zur künstlerischen Form der Puppe bei.

In der Ausstellung wurde 2006 die Entwicklung der Käthe-Kruse-Puppen zu den verschiedenen Typen seit den Anfängen bis heute dargestellt. In Spielszenen aufgebaut, wurden die Puppen mit ihrer Entstehungsgeschichte in einzelnen Vitrinen gezeigt. Ergänzt wurde die Ausstellung durch Fotos, Lebensberichte und Persönliches von der Familie Kruse.

Besonderes Augenmerk verdienten die originalen Kunstwerke: Originale von Max Kruse aus Firmenbesitz, dazu zwei Bronzeplastiken Igor von Jakimows, die seine beiden Jungen darstellen, sowie ein Aquarell des Künstlers (Museumsleihgaben und Privatbesitz), daneben der Fiamingo-Kopf, der Vorlage für Puppe I war, sowie mehrere originale Gips-Werkstattabgüsse Lewin-Funckes aus seinem in Familienbesitz befindlichen Nachlass, die seinen Einfluss auf die Puppengeschichte belegen. Die erwähnten Kunstwerke waren bisher nur selten in der Öffentlichkeit gezeigt worden.

Vom 26. November 2006 bis zum 14. Januar 2007