100 Jahre Heimat Gütersloh 1910 – 1970 – 2010

„Gütersloh ist wie eine Familie, die mit vielen Individuen gemeinsam unter einem Dach lebt“, beschreibt Stadtarchivar Stephan Grimm die Stadt, wie sie sich heute präsentiert. Durch Gebietsreform und kommunale Neugliederungen sind über die Jahre fünf Bauerschaften und sieben ehemals eigenständige Gemeinden als Ortsteile hinzugewachsen, die jedoch ihren eigenen Charakter behalten haben.

heimatWie trotz der Vielfalt ein „Wir-Gefühl“ gelebt wird, zeigte unsere Ausstellung, an der sich Roland Witte vom Bürgerverein Sundern, Renate Horsmann vom Heimatverein Gütersloh und Siegfried Kornfeld vom Heimatverein Isselhorst (auf dem Foto von links) beteiligt hatten.

Der Heimatbegriff ist aktueller denn je, erfährt sogar eine Art Renaissance, ist sich der Museumsleiter Dr. Rolf Westheider sicher. Mit „Heimat“ verbindet der Historiker, Geborgenheit und Identifikation, feste Bezugspunkte im Leben, die besonders in Zeiten der Globalisierung immer wichtiger werden. Wie die Bürger „ihre“ Ortsteile erleben und lange gehegte Traditionen pflegen, zeigte die Ausstellung mit Hilfe zahlreicher Fotos, Dokumenten und Requisiten. Und es wurde deutlich: Der Heimatort verbindet und vor allem das Vereinsleben hält das „Wir-Gefühl“ aufrecht.

Das empfinden auch die Einwohner der Bauerschaften Blankenhagen, Nordhorn, Sundern, Kattenstroth und Pavenstädt so, die seit ihrer Eingemeindung 1910 zur Stadt Gütersloh gehören. Sechzig Jahre später, im Jahr 1970, wuchs die Dalkestadt im Zuge der nordrhein-westfälischen Kommunalreform mit den bis dato eigenständigen Gemeinden Avenwedde, Ebbesloh, Friedrichsdorf, Hollen, Isselhorst, Niehorst und Spexard zum heutigen „Groß-Gütersloh“ zusammen. Auf nun 112 Quadratkilometern Stadtgebiet konnte der wirtschaftliche Aufschwung stattfinden

Gütersloh ist heute ein starker Wirtschaftsstandort, trotzdem bewahrten sich die Bauerschaften ihren ländlichen Charme. „Sundern ist immer noch eine Bauerschaft mit vielen schönen Höfen, doch auch der Stadtpark mit dem Botanischen Garten und das Parkbad gehören dazu“, lässt Roland Witte, erster Vorsitzender des Bürgervereins Sundern, den Stolz für seinen Heimatort erkennen.

Dass sich jedoch nicht alle Bürger nur mit ihrem Ortsteil verbunden fühlen, sondern sich auch ganz allgemein als „Gütersloher“ sehen, bekräftigt Siegried Kornfeld, erster Vorsitzender des Heimatvereins Isselhorst: „Ich bin Gütersloher und habe schon in mehreren Stadtteilen gelebt. Ich glaube nicht, dass es das typische Stadtteilverständnis unter den jungen Leuten heute noch gibt.“

karte

Gütersloh hat sich in 100 Jahren von einem Dorf zu einer Stadt mit heute rund 97.000 Einwohnern entwickelt. Um den Besuchern der Ausstellung das Wachstum der Stadt verständlich zu machen, fertigten die Organisatoren eine ganz besondere Karte mit allen im Laufe der Zeit geltenden Stadtgrenzen an (Foto). Darüber hinaus kreierte die Künstlerin Adelheid Eimer sechs Leinwände, die kreativ darstellten, was die Stadt Gütersloh und die fünf Bauerschaften eigentlich ausmacht. Die Eigenständigkeit der einzelnen Ortsteile zu pflegen sei überaus wichtig und eine große Herausforderung für die kommenden Jahre, waren sich die Veranstalter einig.

Vom 25. Mai bis zum 15. August 2010