Hilferufe aus Riesa – Die Geschichte der „Riesaer Petition zur vollen Erlangung der Menschenrechte“ von 1976

Im Rahmen des Ausstellungszyklus „Geschichte der deutschen Teilung und Einheit“ zeigten wir die Geschichte eines weitgehend unbekannten Freiheitskampfes in der DDR.

hilferufe-aus-riesaBei der „Riesaer Petition zur vollen Erlangung der Menschenrechte“ vom 10. Juli 1976 handelte es sich um den bis dahin größten Zusammenschluss von Regimegegnern in der DDR seit dem 17. Juni 1953.

79 Menschen aus Riesa (Landkreis Meißen) und Karl-Marx-Stadt um den Mediziner Dr. Karl-Heinz Nitschke kämpften für ihre Freiheit. Sie beriefen sich auf die >KSZE-Schlussakte von Helsinki 1975, nach der sich auch die DDR-Regierung verpflichtet hatte, die Menschenrechte einzuhalten, nach denen jeder Bürger seinen Wohnort frei wählen darf.

Die Petition, die sich über westdeutsche Medien blitzartig verbreitete und über diesen Umweg in der DDR bekannt wurde, hatte für die Unterzeichner schlimme Folgen. Manche landeten im Gefängnis, andere erlitten schwere Repressalien, verloren ihre Arbeit, wurden schikaniert oder durften erst Jahre später in die Bundesrepublik ausreisen. Das Schicksal einiger Mitunterzeichner ist bis heute ungeklärt. Einige Zeitzeugen von damals leben heute in unserer Region, eine Mitunterzeichnerin in Bielefeld-Ummeln.

40 Jahre nach den Ereignissen wurde die Wanderausstellung der >Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte nach der Premiere in Riesa in Gütersloh gezeigt. Gefördert von der >Bundesstiftung Aufarbeitung, wurde sie kuratiert von Jens Ostrowski, dem Leiter der Gütersloher Lokalredaktion der „Neuen Westfälischen“.

Zur Ausstellungseröffnung am Tag der Deutschen Einheit 2016 kamen Zeitzeugen und Experten zu einem Podiumsgespräch zusammen: >Zeitzeugen berichten in Gütersloh über ihre Verfolgung in der DDR.




Eine umfangreiche Artikelsammlung zum Thema hat die Sächsische Zeitung zusammengestellt: >Die Stasi vor unserer Tür.

Die Neue Westfälische berichtete über die Ausstellung in ihrer Online-Ausgabe unter der Überschrift >Ausstellung zum Freihheitskampf in der DDR.

Vom 3. Oktober bis 4. Dezember 2016

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Kurator Jens Ostrowski im Gespräch mit Unterzeichnern der Riesaer Petition bei der Premiere der Ausstellung im sächsischen Riesa (Foto: Sächsische Zeitung)