Von der Provinzialheilanstalt zum LWL-Klinikum – ein Jahrhundertprojekt

2019 feiert das LWL-Klinikum Gütersloh sein 100-jähriges Bestehen. Eine Ausstellung des Stadtmuseums bereitet seit dem 5. April auf dem Klinikgelände im Sportzentrum Haus 10 diese Jahrhundertgeschichte auf.

Eigentlich war ein Bezug der „Provinzialheilanstalt“ bereits im Herbst 1914 geplant, doch die Geschichte nahm einen anderen Lauf. Statt Patienten waren in den ersten Jahren kriegsgefangene Offiziere aus unterschiedlichen Ländern untergebracht. Erst 1919 nahm die Einrichtung unter dem Gründungsdirektor Hermann Simon ihren Betrieb auf.

Zwölf großformatige Ausstellungstafeln, die von einer gemeinsamen Projektgruppe des Stadtmuseums und des LWL-Klinikums Gütersloh erarbeitet wurden, zeichnen die 100 Jahre Klinikgeschichte chronologisch nach. Zwei Mal war Gütersloh in dieser Zeit eine deutschlandweite beachtete Modelleinrichtung.

In der Weimarer Republik als Vorreiter der „aktiveren Krankenbehandlung“, einer modernen Form der Arbeitstherapie, die die Patienten stärker förderte, als es in den bisherigen Verwahranstalten möglich war.

Das Personal der Provinzialheilanstalt Gütersloh um 1930. In der ersten Reihe als 3. von links der damalige Direktor Hermann Simon.

Anfang der 1980er-Jahre begann unter dem damaligen Leiter Klaus Dörner eine radikale „Enthospitalisierung“, also der Abbau von stationären Langzeitplätzen. Den Patienten sollten ihre Therapie möglichst im bestehenden Umfeld durch eine Behandlung in Tageskliniken oder Ambulanzen ermöglicht werden.

Doch es gibt auch dunkle Kapitel: so war der in den 1920er-Jahren so reformfreudige Direktor Hermann Simon ein Anhänger der sozialdarwinistischen Eugenik und ein geistiger Wegbereiter der sogenannten Euthanasieprogramme, in denen die Nationalsozialisten Kranke und behinderte töteten. Mindestens 1.017 Patientinnen und Patienten wurden aus Gütersloh in die Tötungsanstalten der Euthanasie verlegt und dort ermordet.

Neben der Ausstellungstafeln, die dauerhaft im LWL-Klinikum Gütersloh gezeigt werden, ist dort bis Ende August eine Ausstellung mit bislang nicht gezeigten Stücken aus dem historischen Fundus der Klinik zu sehen. Diese wurden vom Team des Stadtmuseums gesichtet und werden im September und Oktober 2019 in der Ausstellung „Gütersloh und die Psychiatrie“ im Stadtmuseum zu sehen sein.

Das Westfalen-Blatt berichtet über “Ein Jahrhundertprojekt”.
Auch die WDR-Lokalzeit berichtete über das Klinikjubiläum und die Ausstellung.