Gütersloh und die Psychiatrie: Sonderausstellung ab 8. September

Zum 100. Jubiläum des LWL-Klinikums Gütersloh hat das Stadtmuseum bereits im April eine Jubiläumsausstellung auf dem Klinikgelände erarbeitet. Ab 8. September präsentieren wir die 100-jährige Geschichte der Psychiatrie in Gütersloh auch als Sonderausstellung in unseren Räumlichkeiten.

Eigentlich war ein Bezug der „Provinzialheilanstalt“ bereits im Herbst 1914 geplant, doch die Geschichte nahm einen anderen Lauf. Statt Patienten waren in den ersten Jahren kriegsgefangene Offiziere aus unterschiedlichen Ländern untergebracht. Erst 1919 nahm die Einrichtung unter dem Gründungsdirektor Hermann Simon ihren Betrieb auf.

In der Weimarer Republik galt Simon als Vorreiter der „aktiveren Krankenbehandlung“, einer modernen Form der Arbeitstherapie, die die Patienten stärker förderte, als es in den bisherigen Verwahranstalten möglich war.

Das Personal der Provinzialheilanstalt Gütersloh um 1930. In der ersten Reihe als 3. von links der damalige Direktor Hermann Simon.

Anfang der 1980er-Jahre begann unter dem damaligen Leiter Klaus Dörner eine radikale „Enthospitalisierung“, also der Abbau von stationären Langzeitplätzen. Den Patienten sollten ihre Therapie möglichst im bestehenden Umfeld durch eine Behandlung in Tageskliniken oder Ambulanzen ermöglicht werden.

Doch es gibt auch dunkle Kapitel. So war der in den 1920er-Jahren so reformfreudige Direktor Hermann Simon ein Anhänger der sozialdarwinistischen Eugenik und ein geistiger Wegbereiter der sogenannten Euthanasieprogramme, in denen die Nationalsozialisten Kranke und Behinderte töteten. Mindestens 1.017 Patientinnen und Patienten wurden aus Gütersloh in die Tötungsanstalten der Euthanasie verlegt und dort ermordet.

Für die Ausstellung sichtete das Team des Stadtmuseums die historische Sammlung des LWL-Klinikums, die dort in mehreren Büro- und Kellerräumen lagerte. Neben zahlreichen Materialien aus dem Klinikalltag wurden auch einige „Schätze“ aus der Frühzeit der Klinik gehoben, etwa ein von Hermann Simon selbst gefertigtes Architekturmodell oder handgezeichnete Pläne der Stadtplaner Karl Henrici und Ludwig Schluckebier. Zeitungsberichte und Material aus Schulprojekten zeigen, wie sich das Verhältnis der Gütersloher Bevölkerung zu „ihrer“ Psychiatrie über die Jahrzehnte wandelte.

Vom 8. September bis 10. November 2019